AutorennenIn Köln sorgten im letzten Jahr mehrere illegale Autorennen mit tödlichem Ende für Aufsehen. Einer dieser Fälle wurde nun vor dem Amtsgericht Köln verhandelt. Die beiden 20-jährigen Fahrer befuhren am 26.03.2015 um 0.40 Uhr die Kreuzung Brüsseler Straße und Aachener Straße in der Kölner Innenstadt, als es zu einem schweren Unfall mit einem Taxi kam.

Die Täter veranstalteten ein illegales Autorennen und fuhren dabei mit einer stark überhöhten Geschwindigkeit von bis zu 115 km/h über eine Ampel, die laut Sachverständigengutachten, bereits sieben Sekunden lang rot war. Der Unfall durch das Autorennen mit dem Taxi auf der Kreuzung forderte ein Todesopfer und vier Verletzte. Die beiden Täter wurden nun vom zuständigen Amtsgericht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) nach dem Jugendstrafrecht zu Bewährungsstrafen von 12 und 16 Monaten verurteilt. Außerdem wurde ihnen für mindestens ein Jahr die Fahrerlaubnis entzogen.

Autorennen als „absolut jugendtypische Tat“

Das Gericht war der Auffassung, dass die beiden jungen Männer einfach nicht über die möglichen Folgen ihres Verhaltens nachgedacht hätten. Das illegale Autorennen zwischen den beiden sei kein geplantes gewesen, sondern aus der Situation heraus entstanden. Darin sah das Gericht zwar ein rücksichtlos eingegangenes Risiko, das Autorennen wurde durch das Gericht dennoch als „absolut jugendtypisch“ beurteilt.

Zu nachsichtiges Gericht?

Mit dieser Bewertung der Tat lässt sich wohl auch die Strafe für die Folgen des illegalen Autorennens verstehen. Dass durch das Autorennen ein Mensch zu Tode gekommen ist und vier weitere verletzt wurden, macht es dennoch schwer die relativ milde Strafe nachzuvollziehen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Ampelanlage über die die Fahrer bei ihrem Autorennen fuhren bereits so lange Rot zeigte und dies die Täter auch wahrnahmen. Der Täter, der mit dem Taxi zusammenstieß, äußerte hierzu während des Prozesses, dass er die Ampel sah, aber dachte er würde „es noch schaffen“.

Nach Auffassung des Gerichts sprechen einige Punkte für die Angeklagten. Dazu zählt das Gericht zum einen die Tatsache, dass das Opfer im Taxi nicht angeschnallt war, denn wäre das Opfer angeschnallt gewesen, so wäre es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht gestorben. Das Gericht wertete die Geständnisse positiv, ebenso kam den Tätern ihre Reue zugute, die sie laut dem Gericht glaubhaft gezeigt hätten. Die beiden Täter legten umfassende Geständnisse zum Autorennen ab und zeigten, dass sie bereuten, was in der Nacht passiert ist.

Trotz Kritik entspricht das Urteil der Praxis der Rechtsprechung bei illegalen Autorennen

Das Urteil stößt teils auf heftige Kritik und Unverständnis, schließlich ist durch das absolut rücksichtlose Verhalten der beiden Täter ein Mensch gestorben und vier weitere wurden bei dem Autorennen verletzt. Auf den ersten Blick scheint die Kritik berechtigt. Doch wird in solchen Fällen eher selten eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung verhängt, was häufig am Alter der Täter liegt. Gilt für sie noch das Jugendstrafrecht, so wird eher Zurückhaltung bei der Verhängung von Haftstrafen geübt. Das Gericht führt hierzu in seinem Urteil aus, dass durch die Schwere der Schuld eine Bestrafung erforderlich sei, anstelle der sonst üblichen Verwarnung. Das Jugendstrafrecht soll in diesen Fällen vor allem erzieherischen Charakter haben. Daher werden in vergleichbaren Fällen die Strafen meist zur Bewährung ausgesetzt.

Fazit

Es kann damit am Maßstab der gängigen Rechtsprechung nicht gesagt werden, dass das Urteil gegen die beiden jugendlichen Raser zu milde ausgefallen sei. Das deutsche Jugendstrafrecht lässt bei Tätern, die dem Gericht in überzeugender Weise zeigen, dass sie ihre Handlung bereuen und ihnen bewusst ist, was sie getan haben, durchaus die gebotene Milde zu. Dies muss immer vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass bei Jugendlichen die Besserung des Täters und nicht die Vergeltung oder die generelle Abschreckung anderer im Vordergrund stehen soll. Auf Täter, die bei illegalen Autorennen andere Schädigen oder gar deren Tod verursachen und nach Erwachsenenstrafrecht bestraft werden, warten daher auch deutlich höhere Strafen.


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