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Anerkennung deutscher Staatsbürgerschaft bei Geburt im In- und Ausland

In Zeiten unruhiger politischer Verhältnisse, globaler Auseinandersetzungen wirtschaftlicher und militärischer Art, Verfolgung und Verlust der Heimat wird die Suche nach Sicherheit und geregelten Lebensverhältnisse für Millionen von Menschen zum essenziellen Lebensinhalt. Als ein Land, in dem im Vergleich mit den Krisenherden dieser Welt eine stabile politische Lage und Sicherheit an der Tagesordnung sind, ist Deutschland für viele Menschen ein sicherer Hafen, in dem man durch Engagement und Einbringen seiner Fähigkeiten Selbstverwirklichung und Zufriedenheit für sich und seine Familie finden kann.

Die deutsche Staatsbürgerschaft stellt zeitgleich eine Unionsbürgerschaft dar und wird nicht zuletzt in Bezug auf die daraus folgende Freizügigkeit und den Zugang zum Arbeitsmarkt in der Europäischen Union hochgeschätzt. Weltweit gilt der deutsche Pass als eines der mächtigsten Reisedokumente.

Deutschlands Einwanderungsrecht weist, entgegen der zeitweise auftretenden Darstellung im politischen Diskurs, eine Vielzahl von geregelten Möglichkeiten auf, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben. Neben den verschiedenen Arten der Einbürgerung nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz kommt dem Erwerb durch Geburt wohl die größte Bedeutung zu.

Nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts gelten seit dem Jahr 2000 im Rahmen des Erwerbs der Staatsangehörigkeit durch Geburt nunmehr zwei Grundsätze: Die Abstammung (ius sanguinis) und  der Ort der Geburt (ius soli).

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Das Abstammungsprinzip

Nach dem Abstammungsprinzips erwirbt ein Kind grundsätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit durch Geburt, wenn mindestens ein Elternteil deutscher Staatsbürger ist (§ 4 I StAG).

Dieses Abstammungsprinzip ist jedoch von einer Ausnahme geprägt. Ausgenommen sind jene Kinder, die im Ausland geboren werden und deren deutscher Elternteil selbst nach dem 31.12.1999 im Ausland geboren wurde und dort seinen regelmäßigen Aufenthalt hat (§ 4 IV StAG). Es sei denn, dass Kind würde anderenfalls staatenlos geboren.

Verlegte ein Deutscher also seinen regelmäßigen Aufenthaltsort ins Ausland und bekommt nach dem 01.01.2000 ein Kind, so erwirbt dieses Kind zwar die deutsche Staatsbürgerschaft. Sollte es aber selbst einmal Nachkommen haben, so gilt diese Regel für dessen Kinder nur innerhalb einer Jahresfrist. Betroffen sind vor allem Personen, deren deutsche Eltern Deutschland in weniger glanzvollen Zeiten der kontinentaleuropäischen Geschichte verlassen haben und heute aus voran genannten, mannigfaltigen Gründen nach einem Leben in der Heimat ihrer familiären Vorfahren streben.

Nachweis durch Geburtsurkunde

Wichtigstes Dokument zur Anerkennung der eigenen deutschen Staatsbürgerschaft kraft Geburt ist die Geburtsurkunde. Zur Ausstellung dieser deutschen Geburtsurkunde des im Ausland geborenen Kindes ist ein Antrag beim zuständigen Standesamt in Deutschland zu stellen (§ 36 PStG). Antragsberechtigte sind die Eltern sowie das Kind selbst, sein Ehe- oder Lebenspartner und die eigenen Kinder. Hat oder hatte das Kind selbst oder anderweitig antragsberechtigte Personen keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, so ist das Standesamt I in Berlin für die Beurkundung zuständig.

Die anfallenden Gebühren sind durch das jeweilige Landesrecht festgelegt und können je nach Bundesland variieren, bewegen sich aber regelmäßig im unteren zweistelligen Bereich.

Beizubringende Dokumente sind unter anderem: Personalausweis oder Reisepass der Eltern, Namenserklärung des Kindes und Geburtsurkunde der Mutter. Je nach Personenstand der Eltern, ob verheiratet oder nicht: die Eheurkunde oder die Geburtsurkunde des Vaters sowie eine Vaterschaftsanerkennung.

Bei nichtverheirateten Eltern erhält das Kind zunächst nur die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn die Mutter Deutsche ist. Sollte nur der Vater Deutscher sein, muss eine Vaterschaftsanerkennung durchgeführt werden. Diese muss öffentlich beurkundet werden, entsprechende Stellen im Inland sind Standesamt, Jugendamt oder Notariat, im Ausland eine Botschaft oder das Generalkonsulat. Alle Dokumente sind, sofern sie in einer anderen Sprache ausgestellt, durch einen vereidigten Übersetzer in die Amtssprache Deutsch zu übersetzen.

Die Antragstellung ist freiwillig und an keine Frist gebunden, sollte der Elternteil vor dem 01.01.2000 geboren worden sein. In diesen Fällen ist auch die Nachbeurkundung der Geburt eines bereits volljährigen Kindes möglich. Davon ausgenommen sind die bereits erwähnten Kinder eines nach dem 31.12.1999 im Ausland geborenen Deutschen. Für diese Kinder ist binnen eines Jahres die Geburt beim Standesamt oder der zuständigen deutschen Auslandsvertretung anzuzeigen.


Die Passausstellung

Nach erfolgreicher Ausstellung der Geburtsurkunde folgt in einem zweiten Schritt der Antrag auf Ausstellung eines Passdokuments. Bei der Beantragung des Reisepasses werden neben einer Gebühr ein biometrisches Foto gefordert, sowie muss ein wichtiger Grund für die Beantragung dargelegt werden. Das jeweilig zuständige Bürgeramt kann darüberhinausgehende individuelle Anforderungen ausweisen. Bei Unklarheiten kontaktieren Sie gerne unser Rechtsanwalts-Team.


Das Geburtsortprinzip

Für in Deutschland geborene Kinder, deren Eltern ausländische Staatsbürger sind, gilt seit dem Jahr 2000 das Geburtsortprinzip. Hierbei erhält das Kind dann die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn zum Zeitpunkt der Geburt mindestens ein Elternteil seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland und zudem ein unbefristetes Aufenthaltsrecht hat (§ 4 III StAG).

Die Grundidee dieser Regelung ist, den im Inland geborenen Kindern die Staatsbürgerschaft des Landes zu ermöglichen, in dem zumindest ein Elternteil seinen Lebensmittelpunkt hat, sie selbst aufgewachsen sind um dadurch die Integration in die deutschen Lebensverhältnisse zu verbessern.


Rechtmäßiger Aufenthalt der Eltern

Auch diese Art des Staatsbürgerschaftserwerbs durch Geburt ist an eine Reihe von zu erfüllenden Erfordernissen gekoppelt. Die Rechtmäßigkeit des achtjährigen elterlichen Aufenthalts bestimmt sich nach den nationalen Vorschriften über das Aufenthaltsrecht. Dieser ist grundsätzlich rechtmäßig, wenn die betroffene Person über einen Aufenthaltstitel (§ 4 I AufenthG), also einer Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis, einem Visum, oder Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG verfügt und im Besitz eines gültigen Passes oder Passersatzes ist (§ 3 I AufenthG). Ebenfalls ausreichend ist eine anerkannte Asylberechtigung.

Keinen rechtmäßigen Aufenthalt haben dagegen ausreisepflichtige Ausländer, auch wenn sie eine Duldung besitzen. Zeiten, in denen eine Person im Besitz einer Duldung war, können auf die Zeiten des rechtmäßigen Aufenthalts nicht angerechnet werden.

Aus der Formulierung im Gesetz geht hervor, dass es nicht etwa um die Summe mehrere Aufenthalte in Deutschland geht, sondern um einen möglichst ununterbrochenen Inlandsaufenthalt.  Sollte eine Person Unterbrechungen in ihrem Aufenthalt in Form von Auslandsaufenthalten haben gilt es individuell zu klären, ob diese Unterbrechung für eine Einbürgerung negative Auswirkungen entfaltet.

Hintergrund dieser Regelung über einen achtjährigen rechtmäßigen Aufenthalt ist die Integrationsprognose zugunsten des Kindes, welches durch Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft erwirbt und dessen Eltern nicht nur ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, sondern auch ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Beides dürfte erheblich zur Rechtssicherheit und zum Wohlgedeihen der Familie beitragen.

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