ReisepreisminderungWurde im Reisevertrag ein Galadinner versprochen, dass die Reisenden auch bereits bezahlt haben, so ist unter gewissen Umständen eine nachträgliche Reisepreisminderung möglich, wenn das Dinner ausfällt. Entscheidend hierfür ist, ob durch den Ausfall des Galadinners die Reise insgesamt einen Mangel aufweist.

Dies hat das Amtsgericht München in einem mittlerweile rechtskräftigen Urteil vom 01.12.2014 entschieden (Az.: 213 C 18887/14).

Die Kläger waren ein Ehepaar aus Berlin, das bei einem Münchener Reiseveranstalter eine Pauschalreise nach Dubai vom 10.12.2013 bis 27.12.2013 gebucht hatte. Das Ehepaar bezahlte hierfür vor Reiseantritt einen Preis von 3.196 Euro. In dem Reisepreis war ein Zuschlag von 350 Euro pro Person, für ein besonderes Galadinner an Heiligabend enthalten.

Reisepreisminderung wegen Dinner-Buffet statt Galadinner

Das an Heiligabend angebotene Dinner war jedoch entgegen der Vereinbarung lediglich das Dinner-Buffet für das die Reisenden dann auch noch 400 Euro extra zahlen sollten. Das Ehepaar entschied sich notgedrungen an dem angebotenen Dinner-Buffet teilzunehmen.
Reiseveranstalter verweigerte eine Reispreisminderung

Die Kläger verlangten infolge des ausgefallenen Galadinners eine Reisepreisminderung in Höhe von 600 Euro, sowie die Erstattung der 700 Euro, die das Ehepaar im Voraus bezahlt hatte.

Der Reiseveranstalter verweigerte eine Reisepreisminderung

Zwar erklärte er sich bereit, den Anteil des gezahlten Betrags, der auf das Buffet entfalle direkt zu erstatten, da das Dinner-Buffet nur versehentlich berechnet worden sei, jedoch lehnte er eine darüber hinausgehende Reisepreisminderung ab.

Klage auf Reisepreisminderung

Nach dem der Reiseveranstalter sich weigerte die Forderung auf Reisepreispreisminderung nachzukommen, erhob das Ehepaar Klage vor dem Amtsgericht München um so die Reisepreisminderung gerichtlich durchzusetzen. Das Gericht setzte sich danach zunächst mit der Frage auseinander, was denn eigentlich unter dem im Reisevertrag versprochenen „Galadinner“ zu verstehen sei. Dies war wichtig um feststellen zu können, ob die geschuldete Leistung völlig ausgeblieben ist, oder der Reiseveranstalter seiner Verpflichtung nur teilweise nachkam. Die Antwort ist wichtig für die Beurteilung der Höhe einer Reisepreisminderung.

Das Amtsgericht legte die im Vertrag verkörperte Erklärung des Reiseveranstalters nach dem sogenannten objektiven Empfängerhorizont aus. Das heißt, es wurde geprüft, was ein durchschnittlicher Urlaubsgast, der ein extra Dinner zu einem Preis vom 350 Euro pro Person bucht, von einem solchen in der Regel erwartet und auch nach den rechtlichen Wertungen erwarten darf.

Das Gericht ging in diesem Fall davon aus, dass es sich bei einer solch hochwertigen Leistung nur um ein mehrgängiges Menü handeln könne, welches von Bedienungen serviert wird und in einem festlichen Rahmen stattfindet.

Das Dinner-Buffet könne dem nicht gleichgesetzt werden. Die Leistung zu der sich der Reiseveranstalter vertraglich verpflichtet hatte , wurde demnach nicht erbracht.

Nichterbrachte Leistung aus dem Reisevertrag rechtfertigt Reisepreisminderung

Da die die Leistung in Form des Galadinners für zwei Personen komplett ausblieb, sei eine Reisepreisminderung in Höhe von 700 Euro vorzunehmen. Das Gericht führte weiter aus, dass es durch das fehlende Galadinner zu negativen Auswirkungen auf die gesamte Reise gekommen sei. Das Galadinner an Heiligabend sollte für die Reisenden einen der Höhepunkte des Urlaubs darstellen, wodurch es eine besondere Bedeutung hatte. Dadurch, dass eben dieser Höhepunkt ausblieb, wies die Reise insgesamt einen Mangel auf. Das Amtsgericht war daher der Auffassung, dass eine zusätzliche Reisepreisminderung von 15% angemessen sei um diesen Mangel zu kompensieren. Das Ehepaar erhielt damit zu den 700 Euro, eine weitere Reisepreisminderung in Höhe von 479,40 Euro.

Fazit

Weist die Reise einen Mangel auf, weil der Reiseveranstalter hinter dem von ihm versprochenen Leistungsprogramm zurückbleibt, so kann es durchaus lohnenswert sein eine Reisepreisminderung gelten zu machen. Ob ein Mangel vorliegt, hängt stets vom konkreten Einzelfall ab, daher kann sich eine rechtliche Beratung nach Problemen im Urlaub im Nachhinein auszahlen.


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