StrafrechtAm 07.12.2015 verurteilte das Landgericht Freiburg (Az.: 6 KLs 100 Js 18248/14) einen 18-jährigen Schüler und seinen Vater wegen Mordes zu langjährigen Haftstrafen.

Der 18-Jährige hat ein Geständnis abgelegt, in dem er zugab, dass er, zusammen mit seinem Vater, den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester in einen Hinterhalt lockte, um ihn anschließend zu töten. Das 27-jährige Opfer starb durch 23 Messerstiche in Körper, Gesicht und Hals. Der mutmaßliche sexuelle Übergriff verletzte nach Ansicht von Vater und Sohn die Familienehre. Offensichtlich trauten Sie weder Polizei noch Justiz zu, die Tat aufzuklären und den Täter zu bestrafen. Daher entschlossen sich Vater und Sohn dazu “Die Sache selbst zu regeln”.

Da der jüngere der beiden Täter zum Zeitpunkt der Tat noch 17 Jahre alt war, wurde er nach Jugendstrafrecht zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt, während der 48-jährige Vater eine lebenslange Freiheitsstrafe erhielt. Der Vater muss damit auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis, nach 15 Jahren kann der Strafrest jedoch bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen zur Bewährung ausgesetzt werden (§ 57a StGB).

Die Familie der mutmaßlich Vergewaltigten suchte über das Internet

Das spätere Mordopfer wurde zunächst wegen der ihm vorgeworfenen Vergewaltigung angezeigt. Eine Fahndung durch die Polizei in Baden-Württemberg blieb jedoch erfolglos und der Gesuchte konnte nicht ausfindig gemacht werden. Daraufhin begann die Familie der mutmaßlich Vergewaltigten eigenständig mit der Suche im Internet, wo sie den Mann über soziale Netzwerke fanden. Anschließend lockten Vater und Sohn das Mordopfer mit der Hilfe zweier Komplizen in den Hinterhalt. Unter dem Vorwand, einen Rauschgiftdeal abzuwickeln, vereinbarten Sie mit dem mutmaßlichen Vergewaltiger ein Treffen auf einem Pendlerparkplatz bei Neuenburg im Markgräflerland.

Auch Komplizen der Tat wurden verurteilt

Auch die zwei Komplizen bekamen Haftstrafen. Es handelt sich um einen 19- und einen 21-jährigen Mann. Das Gericht ist überzeugt, dass der 21-Jährige das Mordopfer während der Tat festhielt. Ihm konnte jedoch ein Tötungsvorsatz nicht nachgewiesen werden. Deshalb muss er wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren verbüßen.

Den 19-Jährigen, der das Treffen arrangiert hatte, verurteilte das Gericht ebenfalls wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Gegen ihn wurde unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung eine Jugendstrafe von 2 Jahren verhängt, welche aber zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Rechtsmittel gegen die Urteile möglich

Die Rechtsanwälte der beiden wegen Mordes Verurteilten kündigten an, gegen die Urteile Revision einzulegen, da das Gericht die Taten falsch gewertet habe. Dann müsste sich der Bundesgerichtshof bald mit der Frage auseinandersetzen, ob die Urteile des Landgerichts Freiburg rechtlich fehlerhaft sind.


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