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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Benachteiligung, Mobbing – Handlungen, die am Arbeitsplatz einer Person vorkommen und diese beeinflussen können. In den letzten Jahren wurde dieses Thema immer häufiger diskutiert und behandelt. Dies führte unter anderem zu verschiedensten Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer.

Beschäftigte müssen die Möglichkeit haben, ihrem Tagesgeschäft nachzugehen, ohne Belästigungen, Schikanierungen oder Diskriminierungen zu befürchten. In diesem Artikel werden wir untersuchen, welche rechtlichen Regelungen es bezüglich sexueller Belästigung gibt, welche Handlungen verboten sind sowie ggf. strafrechtlich verfolgt werden können und welche Möglichkeiten denjenigen zur Verfügung stehen, die einem solchen Verhalten zum Opfer gefallen sind.

Eine persönliche und individuelle Rechtsberatung wird durch den folgenden Beitrag jedoch nicht ersetzt. Die gegebenen Informationen sind allgemeiner Natur und dienen zur Erlangung eines ersten Überblicks zu dem Thema. Sollten Sie an Ihrem Arbeitsplatz (sexuell) belästigt oder diskriminiert worden sein, wenden Sie sich gerne an unsere Kanzlei. Wir erläutern Ihnen die möglichen rechtlichen Optionen und schauen gemeinsam, welche die für Ihre Situation geeignetste ist. Unsere Fachanwälte für Arbeitsrecht und unsere Ansprechpartner für Strafrecht werden Sie umfassend beraten und unterstützen.

 

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist niemals zu tolerieren.

Wir setzen uns für Sie und Ihre Rechte ein.

Wann spricht man von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Eine sexuelle Belästigung liegt erst dann vor, wenn sich eine Person unangemessen verhält. Um dieses Verhalten tatsächlich als Belästigung dieser Art einstufen zu können, ist zunächst zu fragen, welche Handlungen als unangemessen gelten und wo genau die Grenzen liegen. Zu bedenken ist, dass die Reaktion einer Person immer von der gegebenen Situation und der Person selbst abhängt. In § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) wird jedoch definiert, welche Handlungen grundsätzlich als Belästigung gelten. Aus der in der genannten Norm festgehaltenen Definition geht hervor, dass die sexuelle Belästigung eine Vielzahl von Formen annehmen kann. Es geht nicht nur um körperliche Einwirkungen auf Beschäftigte im Unternehmen. Die Kategorien sind:

  • Körperliche Handlungen: unerwünschte sexuelle Handlungen und körperlicher Kontakt,
  • Mündliche Handlungen: unerwünschte sexuelle Bitten, Kommentare mit sexuellem Bezug,
  • Nonverbale Aktionen: Vorführung oder öffentliche Ausstellung von pornografischen Bildern.

Dieses Verhalten muss bezwecken oder bewirken „ …,dass die Würde der betroffenen Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.“.

Darüber hinaus können auch Handlungen wie Pfeifen, anzügliche Bemerkungen und Witze über das Privatleben einer Person, unsittliche Entblößung und unerwünschtes Online-Verhalten mit sexuellem Bezug (über soziale Medien oder E-Mails) als belästigend angesehen werden. Wenn die Atmosphäre innerhalb des Unternehmens zudem von einer einschüchternden oder feindseligen Umgebung geprägt ist, liegt grundsätzlich ein Fall sexueller Belästigung vor. Das Opfer sollte, unabhängig davon, ob die Belästigung von einem oder mehreren Mitarbeitern, von dem eigenen Chef oder dem Geschäftsführer des Unternehmens ausgeht, rechtliche Schritte in Erwägung ziehen.


Welche Maßnahmen kann ich gegen sexuelle Belästigung ergreifen?

Nach § 12 AGG ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das keine Diskriminierung oder Belästigung duldet und einen Schutz durch z.B. vorbeugende Maßnahmen zu gewährleisten. Zu solchen Maßnahmen gehören die Hervorhebung und Klarstellung, dass das Unternehmen ein solches Verhalten nicht zulässt, die Bereitstellung von Fortbildungen, in denen erläutert wird, was rechtlich als unangemessen angesehen wird und die Einleitung von Disziplinarmaßnahmen. Solche Disziplinarmaßnahmen können von einer Verwarnung des Täters über eine Versetzung bis hin zur Entlassung reichen. Je nach Schwere des Vergehens kann dem Täter überdies eine Gefängnisstrafe drohen. Nach § 184i Strafgesetzbuch wird mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft, wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt.

Sollte Ihr Arbeitgeber nicht die erforderlichen Disziplinarmaßnahmen ergreifen, ist es ratsam, über die Inanspruchnahme eines Rechtsbeistands nachzudenken. Ein Anwalt mit Erfahrung auf dem Gebiet der Fälle sexueller Belästigung kann Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche helfen.

Am Arbeitsplatz selbst gibt § 13 AGG dem Arbeitnehmer das Recht, sich zu beschweren, wenn ein Fall von Belästigung oder Benachteiligung vorliegt. Wird daraufhin nichts unternommen oder werden nur “offensichtlich ungeeignete Maßnahmen zur Unterbindung einer Belästigung oder sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz” ergriffen, hat der Arbeitnehmer nach § 14 AGG das Recht, die Arbeitsleistung ohne Verlust des Arbeitsentgelts einzustellen, soweit es zu seinem Schutz erforderlich ist.


Welche Verpflichtungen hat ein Arbeitgeber, um sexuelle Belästigung zu verhindern?

Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu verhindern. Sollte er keine Schutzmaßnahmen ergreifen, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Sollte sich herausstellen, dass der Arbeitgeber solche Belästigungen gefördert hat, können sich die rechtlichen Konsequenzen weiter verschärfen.

Für den Arbeitgeber ist es daher erstrebenswert, dafür zu sorgen, dass seinen Mitarbeitern bekannt ist, welche Handlungen unangemessen sind, wie sich das Verfahren zur Einreichung von Beschwerden gestaltet und welche Sanktionen für die Täter vorgesehen sind. Dies kann den Mitarbeitern eines Unternehmens im Rahmen einer Schulung verdeutlicht werden. Durch solche Maßnahmen sollte der Arbeitgeber nicht nur die Vorkommnisse von Belästigungen reduzieren, sondern auch ein Umfeld schaffen, in dem sich die Mitarbeiter sicher fühlen und ihre beste Leistung erbringen können. Ein Mitarbeiter, der sich bei seiner Arbeit sicher und respektiert fühlt, wird bessere Leistungen erbringen als ein Mitarbeiter, der belästigt, schikaniert oder benachteiligt wird.

Ebenso ist die Zusammenarbeit mit Betriebsräten in diesem Bereich empfehlenswert. Um weitere Informationen über die besten Vorgehensweisen zu erhalten, könnten Arbeitgeber Fragen zum Umgang mit Belästigungen und Benachteiligungen im Austausch mit anderen Unternehmen, Rechtsexperten und Berufsverbänden in diesem Bereich erörtern.


Was sind die Auswirkungen von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Sollte ein Unternehmen ein Arbeitsumfeld zulassen, in dem sexuelle Belästigungen vorkommen und nicht hinreichend sanktioniert und verfolgt werden, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Besonders die Opfer dieser Belästigungen haben mit den folgenden Problemen zu kämpfen:

  • Mangelndes Vertrauen in ihre Arbeit,
  • Mangelnde Motivation,
  • Angst- und Panikattacken,
  • Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten bei der Arbeit,
  • Physische Manifestationen der Angst.

All diese Probleme können dazu beitragen, dass ein Mitarbeiter nicht in der Lage ist, bei der Arbeit sein Bestes zu geben, gesundheitliche Probleme bekommt und auch im privaten Umfeld eingeschränkt wird. Die Auswirkungen von sexueller Belästigung, Schikanierung und Benachteiligung können sich jedoch nicht nur auf den Betroffenen selbst, sondern überdies auch auf die Kollegen auswirken. Sie können dazu führen, dass Mitarbeiter aufgrund des negativen Umfelds am Arbeitsplatz immer unmotivierter und ängstlicher werden und ihre Arbeit daher nicht mehr bestmöglich ausführen können. Sobald ein Arbeitgeber von der sexuellen Belästigung im Unternehmen erfährt, sollte dieser Maßnahmen ergreifen. Anderenfalls muss er mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. An diejenigen, die nicht direkt von der Belästigung selbst betroffen sind, ist zu appellieren, das Opfer zu unterstützen, prekäre Situationen genau zu beobachten und wenn nötig einzuschreiten.

Aus der Perspektive des Arbeitgebers ist es in jedem Fall das Beste, wenn der Arbeitsplatz und die dortige Atmosphäre für die Mitarbeiter angenehm und motivierend ist. Denn dadurch ist es den Mitarbeitern möglich, ihr Bestes zum Wohle des Unternehmens zu geben. Zudem sollte von Grund auf vermieden werden, dass das Unternehmen den geschäftsschädigenden Ruf entwickelt, sexuelle Belästigungen ungestraft zuzulassen.


Welche rechtlichen Folgen kann eine Klage wegen sexueller Belästigung haben?

Arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Täter einer sexuellen Belästigung können in Form von Verwarnungen, Versetzungen sowie dessen Entlassung auftreten. Diese Sanktionen sind abhängig von den zugänglichen Fakten und dem Ausmaß der Belästigung. Die Umstände des Einzelfalles spielen dabei eine besondere Rolle. So entschied ein Gericht beispielsweise in einem Fall aus dem Jahr 2012 (2 AZR 651/13), dass die fristlose Kündigung eines Automechanikers nach einmaligem unangemessenen Verhalten nach dem AGG, eine unverhältnismäßig schwerwiegende Sanktion sei. Dieses Urteil war auf die besonderen Umstände des Falles zurückzuführen. Zudem schloss das Gericht eine außerordentliche Kündigung für ein einmaliges Verhalten nicht generell aus.

In einigen Fällen kann der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber eine finanzielle Entschädigung erhalten. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Arbeitgeber die Handlung begangen oder nicht genug getan hat, um die Belästigung zu verhindern.

Bei der Behandlung von Fällen sexueller Belästigung und anderer Formen der Diskriminierung lohnt es sich, einige der anderen rechtlichen Schutzmaßnahmen zu bedenken, die den Betroffenen gewährt werden. Zum Beispiel hat das Opfer ein Recht auf Arbeitsverweigerung (§ 14 AGG). Dieser Schritt sollte jedoch erst nach einer Rechtsberatung erfolgen. Das Opfer hat außerdem das Recht auf Beschwerde bei den zuständigen Stellen des Betriebes, des Unternehmens oder der Dienststelle (§ 13 AGG) und das Recht auf Entschädigung und Schadensersatz nach § 15 AGG. Daneben besteht nach § 16 AGG das Recht für die Beschäftigten, vom Arbeitgeber nicht wegen der Inanspruchnahme vorstehender Rechte benachteiligt zu werden. Dies gilt auch für Personen, die den Beschäftigten hierbei unterstützen oder als Zeugen aussagen. Allgemein ist zunächst die Kenntnis dieser Rechte essenziell. Betroffene sollten sich nicht scheuen diese in einem Fall von (sexueller) Belästigung geltend zu machen.


Mobbing am Arbeitsplatz

Nicht alle Belästigungen sind sexueller Natur. Auch Fälle von Mobbing können am Arbeitsplatz auftreten. Der Arbeitnehmer ist in diesen Fällen oft ebenfalls durch die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vorgesehenen Rechte geschützt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Mobbing auf diskriminierenden Gründen wie Herkunft, Geschlecht oder religiöser Überzeugung beruht. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber nach § 241 Bürgerliches Gesetzbuch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmern. Aus diesem Grund ist der Arbeitgeber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Arbeitsplatz eine sichere Umgebung für die körperliche und seelische Gesundheit seiner Mitarbeiter darstellt.

Mobbing kann besonders negative Auswirkungen auf Arbeitnehmer haben und zu einer Verringerung der Motivation und Produktivität aufgrund von Angstzuständen, Schlaflosigkeit und manifesten körperlichen Problemen beitragen. Ein Arbeitsplatz, der die Existenz von Mobbing oder einer durchsickernden Mobbing-Kultur zulässt, führt unweigerlich dazu, dass insgesamt ein negatives Arbeitsumfeld geschaffen wird. Für den Arbeitgeber ist es entscheidend, besonders wachsam zu sein, da Mobbing auf verschiedene Weise ausgeübt werden kann:

  • Ausgrenzung und Isolation,
  • Erniedrigung des Opfers,
  • Verbreitung falscher Informationen,
  • diskriminierende Handlungen oder Äußerungen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer religiösen Überzeugungen usw.
  • Ständige und / oder unberechtigte Kritik an ihrer Arbeit.

Der Nachweis von Mobbing ist oft sehr schwierig, sodass sich eine genaue Dokumentation der Belästigungen sowie die Inanspruchnahme eines qualifizierten Rechtsbeistandes später auszahlt. Im Interesse der psychischen und physischen Gesundheit ist es empfehlenswert, einen Psychiater aufzusuchen. In einem ersten Schritt, sollte zunächst der Arbeitgeber auf die Vorfälle angesprochen werden. Wenn er jedoch nicht handelt, keine ausreichenden Maßnahmen ergreift oder selbst die Quelle des Mobbings ist, ist es an der Zeit, rechtliche Schritte in Betracht zu ziehen.

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Schlun & Elseven ist eine Full-Service-Kanzlei, die bundesweit tätig ist. Darüber hinaus sind sich unsere Anwälte des Wertes einer offenen und klaren Kommunikation bewusst, sodass Ihnen unsere rechtlichen Leistungen auch auf Englisch sowie weiteren Sprachen zur Verfügung stehen. Sollten Sie weitere Informationen zu Ihren Rechten im Zusammenhang mit sexueller Belästigung oder Mobbing am Arbeitsplatz benötigen, kontaktieren Sie uns gerne. Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns eine E-Mail oder nutzen Sie unser Online-Formular – wir stehen Ihnen gerne beratend zur Seite.

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