You are here: Home » Unsere Services » Rechtsanwalt für Familienrecht » Adoption eines Volljährigen in Deutschland

Adoption eines Volljährigen in Deutschland

Allgemein wird mit dem Wort Adoption zunächst die Annahme eines Kindes verbunden. Die Adoption eines Volljährigen wird in Deutschland jedoch immer geläufiger. Sie ist rechtlich möglich und kann viele Vorteile mit sich bringen, so etwa im Steuer- oder Erbrecht. In erster Linie kommt es den Beteiligten aber grundsätzlich darauf an, durch eine formale Adoption eine bestehende enge familiäre Bindung zu besiegeln. Die Motivation, einen Volljährigen zu adoptieren basiert somit auf dem persönlichen Verhältnis zwischen Annehmenden und Anzunehmendem, sowie deren individuellen Interessen.

Damit die Adoption eines Volljährigen rechtlich anerkannt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Diesem Beitrag können Sie entnehmen, warum sich Betroffene für diese Form der Adoption entscheiden, welche rechtlichen Schritte erforderlich sind und worauf in diesem Zusammenhang besonders zu achten ist.

Die hier zur Verfügung gestellten Informationen dienen lediglich als Leitfaden, um Ihnen einen Überblick über diese Thematik zu geben und sollten nicht als vollständige rechtliche Beratung angesehen werden. Bei der Behandlung einer solch komplexen Materie, wie der der Adoption eines Volljährigen, kommt es stets auf die Umstände des Einzelfalls an. Sollten Sie daher eine Adoption tatsächlich in Erwägung ziehen, empfehlen wir Ihnen Kontakt zu unserer Kanzlei aufzunehmen. So können Sie die Expertise unserer Rechtsanwälte für Familienrecht in Anspruch nehmen.

Wir bieten unseren Mandanten kompetente familienrechtliche Vertretung und Beratung.

Als Full-Service-Kanzlei wird Schlun & Elseven Sie und Ihre Familie umfassend unterstützen.

Warum einen Volljährigen adoptieren?

In erster Linie soll die Adoption eines Erwachsenen die enge Eltern-Kind-Beziehung zwischen der adoptierenden und der adoptierten Person symbolisieren. Diese Form der Adoption wird im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ab § 1767 BGB gesetzlich geregelt. Gemäß § 1767 Abs. 1 BGB muss die Adoption sittlich gerechtfertigt sein. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn die Eltern des Volljährigen gestorben sind und dieser deshalb bei einem anderen Familienmitglied lebt. Es kann auch sein, dass der Volljährige ein distanziertes Verhältnis zu seinen Eltern hat und eine engere Beziehung zur adoptierenden Person hat. Wie diese sittlich gerechtfertigte Beziehung rechtlich dargelegt werden kann, wird weiter unten im Beitrag demonstriert.

Neben der Adoption zur Verfestigung der Beziehung zwischen den Beteiligten, kann die Motivation auch in rein pragmatischen Gründen liegen. Dies ist in der Regel aufgrund von Vorteilen im Erb- und Steuerrecht, die mit der Adoption einhergehen, der Fall. Solche Gründe dürfen jedoch, wie weiter untern zu sehen sein wird, nicht die determinierenden Faktoren sein.


Mit welchen Vorteilen im Erb- und Steuerrecht geht die Adoption einher?

Die erbrecht- und steuerrechtlichen Vorteile einer Adoption sind mannigfaltig. So kann eine Adoption etwa bei der Übertragung einer Immobilie auf das Adoptivkind von Nutzen sein. Nach deutschem Recht können Kinder, auch volljährige, im Rahmen einer Schenkung oder einer Erbschaft einen Steuerfreibetrag von bis zu 400.000 € erhalten. Für weiter entfernte Verwandte und Nicht-Verwandte kommt dies indes nicht in Frage. Der Steuerfreibetrag für Nichten und Neffen liegt z.B. nur bei 20.000€. Eine Adoption kann daher den Interessen des Erblassers und des Beerbten entsprechen. Auch der Steuersatz selbst variiert je nach Beziehung . Während dieser bei Kindern und Enkelkindern etwa bei 7% liegt, beträgt der Steuersatz bei Nichtverwandten etwa 30%.

Es wird deutlich, dass die rechtliche Stellung als Kind, die durch eine Adoption des Volljährigen geschaffen wird, insbesondere dann an Attraktivität gewinnt, wenn dieser in den vollen Genuss der Erbschaft kommen soll. Die Adoption eines Erwachsenen (sei es ein entfernter Verwandter oder ein enger Freund) spielt demnach in der Praxis insbesondere dann eine Rolle, wenn eine vermögende Familie selbst keine Kinder hat und den Wunsch hat, ihr Vermögen an eine andere Person weiterzugeben.

Zwar sind sich die Gerichte in der Regel darüber bewusst, dass Steuervorteile häufig eine wesentliche Rolle spielen. Ein Antrag wird jedoch selten allein aus diesem Grund abgelehnt. Solange die gesetzlichen Voraussetzungen (die später in diesem Beitrag erläutert werden) erfüllt sind, kann auch eine solche Adoption legitim sein. Es muss jedoch dargelegt werden, dass die Adoption nicht nur aus diesen Erwägungen erfolgt. Dieser Nachweis kann in der Praxis Schwierigkeiten bereiten. Aus den Unterlagen, die dem Gericht zugestellt werden, muss deutlich hervorgehen, dass die Adoption in erster Linie aufgrund einer besonders engen Beziehung zwischen adoptierender und adoptierter Person begehrt wird. Um mit keinen nachteiligen Konsequenzen im Adoptionsverfahren konfrontiert zu werden, kann es daher ratsam sein rechtlichen Rat einzuholen, bevor die entsprechenden Unterlagen zur Adoption vorgelegt werden.


Voraussetzungen für die Adoption eines Volljährigen

Steuer- und erbrechtliche Gründe können nicht als Hauptgrund der Adoption herangezogen werden. Vielmehr muss die Adoption nach § 1767 Abs. 1 BGB “sittlich gerechtfertigt” sein. Eine solche Rechtfertigung ist insbesondere dann anzunehmen, wenn zwischen der adoptierenden und der adoptierten Person bereits zuvor ein Eltern-Kind-Verhältnis bestand.

Die Rechtsprechung zeigt, dass Gerichte dazu tendieren, eine Adoption als nicht „sittlich gerechtfertigt“ anzusehen, wenn der grundlegende Verdacht besteht, dass finanzielle Gründe die Hauptmotivation darstellen. Einem solchen Adoptionsantrag wird daher in der Regel nicht stattgegeben. In einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart aus dem Jahr 2014 etwa, wurde es einer Tante vorenthalten, ihren Neffen zu adoptieren, weil das Gericht den Grund der Adoption trotz des engen Verwandtschaftsverhältnisses als in erster Linie finanziell motiviert ansah. Das Gericht betonte dabei, dass der Betroffene ein gesundes Verhältnis zu seinen eigenen Eltern hatte und auch bei diesen lebte. Dies verdeutlicht, dass ein dritter Elternteil ein erschwerender Faktor in einem Adoptionsverfahren sein kann.

Der Nachweis einer engen Beziehung zwischen Annehmendem und Anzunehmenden kann gelingen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • enge persönliche Beziehung über einen langen Zeitraum
  • Eltern-Kind-ähnlicher Altersunterschied zwischen den betreffenden Personen
  • ernsthafte Absicht, bei finanziellen oder gesundheitlichen Problemen füreinander zu sorgen

Erwähnenswert ist dabei, dass es für die Adoption nicht erforderlich ist, miteinander verwandt zu sein. In den meisten Fällen, in denen es um die Adoption eines Volljährigen geht, ist dies zwar der Fall. Sollte eine Person jedoch einen Nichtverwandten adoptieren wollen, ist dies rechtlich nicht zu beanstanden, sofern die oben genannten Faktoren nachgewiesen werden.


Wie verläuft das Adoptionsverfahren?

Im Rahmen der Adoption eines Volljähren ist zunächst ein Antrag an das Familiengericht zu stellen, vgl. § 1768 BGB. Der Antrag muss

  • die Gründe darlegen, warum die Adoption erfolgen soll (gemäß den oben genannten Kriterien)
  • Einverständniserklärungen beider Seiten (des Annehmenden und des Anzunehmenden) enthalten
  • eine Zustimmung des Ehegatten (falls zutreffend) enthalten

Zur Darlegung der Gründe für die Adoption ist es ratsam, Rechtsbeistand zu Rate zu ziehen, um die Chancen auf ein erfolgreiches Adoptionsverfahren zu erhöhen. Unser Familienrechtsteam stellt sicher, dass Ihr Antrag den gesetzlichen Vorschriften entspricht und die „Eltern-Kind-Beziehung“ hinreichend dargelegt wird.

Zu berücksichtigen ist, dass das Gericht bei seiner Entscheidung auch erwägt, ob die Adoptiveltern bereits leibliche Kinder haben. Da diese vom Gericht in das Adoptionsverfahren einbezogen und gehört werden, ist es ratsam, diese schon vor Antragstellung ausreichend zu unterrichten und zu involvieren. Im Folgenden Abschnitt wird dies näher dargelegt.


Was ist, wenn der Adoptierende bereits Kinder hat?

Dass die adoptierende Person bereits leibliche Kinder hat, hindert die Adoption eines Volljährigen zwar nicht, kann den Prozess jedoch erheblich erschweren. Eine Adoption hat Auswirkungen auf ihren rechtlichen Status, insbesondere kann diese Konsequenzen in Bezug auf ihr Erbe haben. Deswegen sind die leiblichen Kinder stets in das Verfahren einzubeziehen.

Dabei ist nicht ungewöhnlich, dass biologische Kinder eine Beschwerde gegen die Adoption einreichen. Dies ist üblicherweise dann der Fall, wenn sie der Meinung sind, dass mit der Adoption eine Verminderung ihres Erbes einhergeht. Es ist daher zu empfehlen, alle Personen, die von der Entscheidung betroffen sein könnten, über das Geschehen und die Gründe dafür auf dem Laufenden zu halten. So wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass das Adoptionsverfahren durch rechtliche Schritte Ihres Kindes erschwert wird. Sollte der zu adoptierende Volljährige einen Ehepartner haben, ist auch dessen Zustimmung einzuholen.

Sollten Sie es erwägen, einen Volljährigen zu adoptieren während Sie bereits Kinder haben, empfehlen wir Ihnen, sich mit diesen zusammenzusetzen und ihnen das Verfahren zu erläutern. Dazu kann es ratsam sein Rechtsbeistand hinzuzuziehen, wenn es darum geht, die Auswirkungen der Adoption auf das Erbe der leiblichen Kinder darzulegen. Die Praxis zeigt, dass es erfolgsversprechender und für alle Beteiligten weniger belastend ist, dass Thema offen und gemeinsam zu klären, als dies in einem Gerichtssaal zu tun.


Wie unterscheidet sich die Adoption eines Volljährigen von der eines Minderjährigen?

Zwischen der Adoption eines Volljährigen und der eines Minderjährigen bestehen grundlegende Unterschiede.

Im Gegensatz zur Adoption eines Minderjährigen ändert die Adoption eines Volljährigen nichts an der familiären Beziehung zu dessen eigenen Verwandten. Das rechtliche Verhältnis zur bereits bestehenden Familie bleibt somit unangetastet. Die Tante oder der Onkel des Volljährigen bleiben dies auch nach der Adoption. Im Vergleich zur Adoption eines Kindes wird diese daher als schwächere Form der Adoption angesehen.

Diese fehlende Wirkung der Adoption auf das bestehende Familienverhältnis führt dazu, dass die adoptierende Person rechtlich nicht mit der Familie des adoptierten Erwachsenen verbunden wird. Für die Ehegatten ist dies in § 1770 BGB klar geregelt. Darin heißt es, dass weder eine rechtliche Beziehung zwischen dem Ehegatten der adoptierenden Person und dem Volljährigen, noch eine solche zwischen dem Ehegatten der adoptierten Person und der adoptierenden Person hergestellt wird.

Weiterhin ist zu beachten, dass bei der Adoption eines Volljährigen die Erlaubnis seines Ehegatten benötigt wird, sollte dieser verheiratet sein.


Welche Verpflichtungen hat der adoptierten Volljährige?

Die Adoption bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Verpflichtungen für den adoptierten Volljährigen mit sich. Es handelt sich um keine Einbahnstraße, die nur dem Adoptierten zugutekommt. Der Grundgedanke einer sittlich gerechtfertigten Adoption basiert auch darauf, dass der Adoptierte seinen neuen Elternteil unterstützen muss. Dies bedeutet, dass dieser verpflichtet ist, finanzielle und gesundheitliche Unterstützung zu gewähren, falls diese benötigt wird. Der Adoptierte trägt nun die familiäre Verantwortung, sich um seinen neuen Elternteil zu kümmern und diesem beizustehen.

Zu erwähnen ist, dass die Adoption eines Volljährigen gemäß § 1771 BGB aufgehoben werden kann, wenn dafür zwingende Gründe vorliegen. Die Verweigerung der notwendigen Unterstützung kann als ein solcher angesehen werden.


Adoption von Nichtdeutschen

Es ist für eine Adoption nicht erforderlich, dass die adoptierte Person in Deutschland geboren, oder deutscher Staatsbürger ist. Demnach bietet das deutsche Recht auch die Möglichkeit Volljährige zu adoptieren, die nicht Deutsch sind. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass eine Adoption für den Betroffenen von keinem Vorteil ist, wenn es darum geht, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Für diesen Zweck sollten daher andere Vorgehensweisen in Betracht gezogen werden.

Eine sittlich gerechtfertigte Adoption eines Volljährigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist an denselben Kriterien zu messen, wie die eines Deutschen. Auch hier ist ein enges Eltern-Kind-ähnliches Verhältnis maßgeblich. Einer Adoption, die dem alleinigen Ziel dient, dem Betroffenen den Verbleib in Deutschland zu ermöglichen, wird demnach nicht stattgegeben.

Schlun & Elseven Rechtsanwälte Logo

Praxisgruppe für Familienrecht

Internationale Familienrechtsfälle: Dr. Tim Schlun

Dr. Tim Schlun
Internationale Familienrechtsfälle

Abschira Kontny - Rechtsanwältin

Abschira Kontny
Rechtsanwältin

Rechtsanwältin: Maria Ivanova

Maria Ivanova
Rechtsanwältin

Kontaktieren Sie unsere Praxisgruppe für Familienrecht

Deutsche Anwälte auf dem Gebiet der Adoption eines Volljährigen

Unser Familienrechtsteam verfügen über umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet des Familienrechts. Diese Seite bietet Kontext und einen grundlegenden Überblick zur Adoption eines Volljährigen. Wenn Sie weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte direkt an uns. Auf diese Weise können unsere Anwälte Ihnen den Rat, die Unterstützung und die Beratung geben, die Sie benötigen, wenn es darum geht die rechtlichen Fragestellungen Ihrer persönlichen Situation zu lösen. Unsere Anwälte stehen Ihnen mit Büros in Köln, Düsseldorf und Aachen sowie Konferenzräumen in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Stuttgart zur Verfügung.

Unsere Anwälte bieten umfassende Unterstützung bei der verständlichen Vermittlung komplizierter rechtlicher Sachverhalte und der hervorragenden Betreuung innerhalb und außerhalb der Gerichte. Wenn Sie Unterstützung im Bereich der Adoption eines Volljährigen oder im Familienrecht im Allgemeinen suchen, wenden Sie sich an Schlun & Elseven.

Jetzt Rechtsanwalt für Adoption eines Volljährigen in Deutschland kontaktieren

Nutzen Sie das nachstehende Formular, um uns Ihr Anliegen in der Adoption eines Volljährigenin Deutschland zu schildern. Nach Erhalt Ihrer Anfrage werden wir Ihnen anhand des geschilderten Sachverhaltes eine kurze Ersteinschätzung abgeben und ein Kostenangebot zukommen lassen. Anschließend können Sie entscheiden, ob Sie uns den Auftrag erteilen möchten.

Standorte


Bürozeiten

Mo. – Fr: 09:00 – 19:00
24h Kontakt:
0221 93295960
E-Mail:
info@se-legal.de

Termine nur nach telefonischer Absprache.

Rechtsanwalt in
Aachen

Schlun & Elseven
Rechtsanwälte PartG
Von-Coels-Str. 214
52080 Aachen
Tel: 0241 4757140
Fax: 0241 47571469

Rechtsanwalt in
Köln

Schlun & Elseven
Rechtsanwälte PartG
Kyffhäuserstr. 45
50674 Köln
Tel: 0221 93295960
Fax: 0221 932959669

Rechtsanwalt in
Düsseldorf

Schlun & Elseven
Rechtsanwälte PartG
Düsseldorfer Str. 70
40545  Düsseldorf
Tel: 0211 882 84196
Fax: 0221 932959669

Konferenzräume

München 80339
Theresienhöhe 28

Hamburg 20354
Neuer Wall 63

Berlin 10785
Potsdamer Platz 10