You are here: Home » Unsere Services » Rechtsanwälte für Gesellschaftsrecht » Unternehmensnachfolge durch Erbschaft

Unternehmensnachfolge durch Erbschaft

Zwar trennen sich viele Unternehmer nur ungern von der Führung Ihres Geschäfts. Doch wenn die Übergabe des Unternehmens an die nächste Generation erfolgt, soll dies in geregelten Bahnen verlaufen. Für eine reibungslose Unternehmensnachfolge bedarf es einer sorgfältigen Nachfolgeplanung mit geeigneten gesellschaftsvertraglichen und erbrechtlichen Vereinbarungen. Insbesondere Streitigkeiten unter den Erben haben das Potenzial, zu einem erheblichen Schaden für das Unternehmen zu führen. Sie können aber durch das Schaffen klarer Verhältnisse vermieden werden. Auch die Überschneidung von Erb- und Gesellschaftsrecht vereinfacht die Angelegenheit nicht – im Gegenteil.

Ob und inwiefern die Erben eines Unternehmers in dessen Unternehmen nachfolgen, hängt in erster Linie von erbrechtlichen Regelungen sowie der Rechtsform des Unternehmens ab. Zwar empfiehlt es sich, die Unternehmensnachfolge bereits unter Lebenden durchzuführen. Doch auch für ein unvorhergesehenes Ausscheiden sollte frühestmöglich vorgesorgt werden.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige wichtige Aspekte der Unternehmensnachfolge durch Erbschaft vorstellen. Für individuelle Rechtsberatung kontaktieren Sie gerne unsere Rechtsanwälte für Gesellschafts- und Erbrecht über die untenstehenden Kontaktmöglichkeiten.

Unsere Gesellschaftsanwälte beraten in allen Fragen der Unternehmensnachfolge.

Als Full-Service-Kanzlei kümmert sich Schlun & Elseven um alle rechtlichen Anforderungen.

Wie erfolgt die Unternehmensnachfolge durch Erbschaft?

Die Unternehmensnachfolge durch Erbschaft richtet sich insbesondere nach der Gesellschaftsform des jeweiligen Unternehmens, da sich die Vererbbarkeit von Gesellschaftseinteilen bei Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheidet.

Kapitalgesellschaftsanteile

Hinsichtlich der Vererbbarkeit von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft bestehen in der Regel keine Probleme. So sind die Anteile an einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ohne Weiteres vererblich (§ 15 Abs. 1 GmbHG). Das Gleiche gilt für die Aktien einer Aktiengesellschaft (AG), einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder einer Europäischen Gesellschaft (SE).

Personengesellschaftsanteile

Hingegen sind Anteile an Personengesellschaften grundsätzlich nicht vererblich. Um die Geschäftsanteile dennoch zu vererben, kann durch Nachfolgeklauseln im Gesellschaftsvertrag von diesem Grundsatz abgewichen werden (Scherer, Unternehmensnachfolge, 6. Aufl. 2020, § 1 Rn. 25). Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wird im Falle des Todes eines Gesellschafters aufgelöst, wenn der Gesellschaftsvertrag keine abweichende Regelung, eine sog. Fortsetzungsklausel, vorsieht (§ 727 Abs. 1 BGB).

Bei der offenen Handelsgesellschaft (OHG) kommt es lediglich zum Ausscheiden des verstorbenen Gesellschafters (§ 131 Abs. 3 Nr. 1 HGB). Eine Abweichung ist außer durch eine Nachfolgeklausel auch nachträglich durch die Zustimmung aller Gesellschafter möglich. Der Gesellschaftsanteil des ausgeschiedenen Gesellschafters wächst den verbliebenen Gesellschaftern zu. Diese sind dann jedoch dazu verpflichtet, den Erben eine entsprechende Abfindung zu zahlen (§§ 738, 740 BGB, § 105 Abs. 3 HGB).

Verstirbt ein Komplementär einer Kommanditgesellschaft (KG) wird diese wie bei der OHG unter den übrigen Gesellschaftern fortgesetzt. Die Gesellschaft wird allerdings aufgelöst, wenn es sich dabei um den einzigen Komplementär handelt. Verstirbt hingegen ein Kommanditist, wird die KG mit dessen Erben fortgeführt (§ 177 HGB). Dabei treten diese nicht als Erbengemeinschaft in die Gesellschaft ein, sondern einzeln im Wege der Sondererbfolge.

Auch die Beteiligung an einer Partnerschaftsgesellschaft ist grundsätzlich nicht vererblich (§ 9 Abs. 4 S. 1 PartGG), sodass der Tod eines Partners zu dessen Ausscheiden führt und die übrigen Partner anteilig den Partnerschaftsanteil erhalten. Abweichendes kann durch Nachfolgeklausel nur für solche Personen festgelegt werden, die über die erforderlichen Berufszulassungen erfolgen (§ 9 Abs. 4 S. 2 PartGG).

Nachfolge in Einzelunternehmen

Das einzelkaufmännische Unternehmen fällt bei gesetzlicher Erbfolge als Sachgesamtheit in den Nachlass. Gibt es mehrere Erben, wird es zum Gesamthandsvermögen der Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB). Die Erben können das Unternehmen dann in ungeteilter Erbengemeinschaft fortführen.


Nachfolgeregelungen im Gesellschaftsvertrag

Für eine gute Nachfolgeplanung ist es unerlässlich, sich mit dem Gesellschaftsvertrag des Unternehmens auseinanderzusetzen, sofern es einen solchen gibt. Da der verstorbene Gesellschafter einer Personengesellschaft grundsätzlich aus dieser ausscheidet, bedarf es einer Nachfolgeklausel im Gesellschaftsvertrag, um die Fortführung der Gesellschaft mit den Erben zu ermöglichen.

Mit der einfachen Nachfolgeklausel wird lediglich bestimmt, dass im Todesfall eines Gesellschafters der Gesellschaftsanteil auf seine Erben übergeht. Bei mehreren Erben spaltet sich der Gesellschaftsanteil infolge der sog. Sondererbfolge auf diese auf, sodass jeder Erbe Gesellschafter wird. Er geht also nicht auf die Erbengemeinschaft über. Sollen nur bestimmte Erben dem verstorbenen Gesellschafter nachfolgen, kann dies in einer qualifizierten Nachfolgeklausel geregelt werden. Hierbei ist jedoch dringend zu beachten, dass die im Gesellschaftsvertrag benannten Nachfolger auch dem gesetzlichen Erbrecht zufolge oder kraft letztwilliger Verfügung tatsächlich Erben sind.

Generell gilt es, den Gesellschaftsvertrag und die erbrechtlichen Regelungen und Vereinbarungen aufeinander abzustimmen. Unsere Rechtsanwälte für Erbrecht und Gesellschaftsrecht von Schlun & Elseven prüfen den Gesellschaftsvertrag für Sie und unterstützen Sie dabei, diesen Ihren Wünschen für die Unternehmensnachfolge anzupassen.


Anordnung der Testamentsvollstreckung am Unternehmen

Es ist möglich, dass die Erben nicht sofort und ohne Weiteres die Verantwortung über den geerbten Gesellschaftsanteil übernehmen können, z.B. weil sie noch minderjährig sind. Nicht selten kommt es auch zu Streitigkeiten unter den Erben, die einer geordneten Unternehmensnachfolge im Wege stehen. Für solche Fälle wird häufig die Testamentsvollstreckung über den Gesellschaftsanteil angeordnet. Der Testamentsvollstrecker soll dem Willen des Erblassers Geltung verschaffen und so die Unternehmensnachfolge sichern. Dabei kann die Testamentsvollstreckung auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sein und lediglich der Abwicklung des Nachlasses dienen (Abwicklungstestamentsvollstreckung). Sie kann jedoch auch auf Dauer angelegt sein und der Verwaltung des Nachlasses dienen (Verwaltungstestamentsvollstreckung). In diesem Fall ist den Erben die Verfügungsbefugnis über die Erbschaft für einen bestimmten Zeitraum entzogen.

Auch die Zulässigkeit der Anordnung einer Testamentsvollstreckung richtet sich nach der Rechtsform des Unternehmens. Ohne Weiteres zulässig ist die Testamentsvollstreckung an Geschäftsanteilen einer GmbH, an Aktien sowie an Kommanditanteilen. Hingegen ist eine umfassende Testamentsvollstreckung an Einzelunternehmen sowie GbR-, OHG- und Komplementäranteilen einer KG gesetzlich nicht zulässig. Zudem kann die Testamentsvollstreckung auch durch den Gesellschaftsvertrag ausgeschlossen sein. Doch auch für diese Fälle gibt es Lösungen. Nach der Treuhandlösung übt der Testamentsvollstrecker für die Dauer der Testamentsvollstreckung als Treuhänder der Erben deren Gesellschaftsbeteiligung aus. Bei der Vollmachtlösung bevollmächtigen die Erben den Testamentsvollstrecker, das Geschäft oder die Gesellschaftsbeteiligung in deren Namen fortzuführen.

Es müssen nicht nur die für die Testamentsvollstreckung erforderlichen Regelungen getroffen werden, sondern der Erblasser sollte den Testamentsvollstrecker auch sorgfältig auswählen und alle Einzelheiten mit dieser Person absprechen. Sollten Sie Unterstützung in diesen Angelegenheiten benötigen, stehen Ihnen unsere Rechtsanwälte gerne zur Seite.


Das Unternehmertestament

Es empfiehlt sich, die Unternehmensnachfolge für den Todesfall im sog. Unternehmertestament umfassend festzulegen, um klare Verhältnisse zu schaffen. In erster Linie wird darin bestimmt, wer dem Unternehmer in sein Unternehmen nachfolgen soll. Denn häufig sind die Vorschriften der gesetzlichen Erbfolge wenig geeignet, um den Wünschen für die Unternehmensnachfolge gerecht zu werden. So kann das Testament auch vor folgenschweren Streitigkeiten unter den Erben bewahren.

Gibt es mehrere Erben oder handelt es sich um einen umfangreichen und komplexen Nachlass, bietet sich womöglich die Anordnung einer Testamentsvollstreckung an. Sie dient der reibungslosen Umsetzung der Wünsche des Erblassers, sollte aber unbedingt mit dem Gesellschaftsvertrag im Einklang stehen.

Um die letztwillige Unternehmensnachfolge durch das Testament umfassend absichern zu können, bedarf es zunächst einer sorgfältigen Vorbereitung. Nicht nur sollten die erbrechtlichen Regelungen bekannt sein. Insbesondere muss auch der Gesellschaftsvertrag umfassend geprüft und gegebenenfalls den Wünschen des Erblassers angepasst werden. Beispielsweise könnte die Einfügung einer Nachfolgeklausel erforderlich sein, um die Nachfolge der Erben in das Unternehmen überhaupt erst zu ermöglichen.


Unternehmensnachfolge und Erbschaftssteuer

Auch in steuerlicher Hinsicht ist bei der Unternehmensnachfolge durch Erbschaft einiges zu beachten. So gibt es für die Erbschaft von Betriebsvermögen einige Sonderregelungen, die erbschaftssteuerliche Begünstigungen vorsehen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Übergang eines Gesellschaftsanteils als Übertragung von sog. Produktivvermögen zu 85 Prozent von der Erbschaftsteuer verschont werden (Verschonungsabschlag; §§ 13a, 13b ErbStG). Gegebenenfalls kann das betriebliche Vermögen sogar vollständig von der Steuer befreit sein (Optionsverschonung). Haben Sie Fragen in Bezug auf die Versteuerung von Betriebsvermögen bei der Unternehmensnachfolge, kontaktieren Sie gerne unsere Rechtsanwälte.

Schlun & Elseven Rechtsanwälte Logo

Praxisgruppe für Unternehmensnachfolge durch Erbschaft

Kontakt
Rechtsanwalt Dr. Thomas Bichat

Salary Partner | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Matthias Wurm, LL.M:

Rechtsanwalt

Jens Schmidt

Rechtsanwalt

Kontakt
Rechtsanwalt Martin Halfmann

Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Dr. Simon Krämer
Dr. Simon Krämer

Rechtsanwalt | Freier Mitarbeiter

Rechtsanwalt Florian Reisser

Rechtsanwalt | Freier Mitarbeiter

Kontaktieren Sie unsere Gesellschaftsrechtanwälte

Nutzen Sie das Formular, um uns Ihre Anfrage zur Unternehmensnachfolge durch Erbschaft mitzuteilen. Nach Eingang Ihrer Anfrage werden wir eine kurze Vorprüfung auf der Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben vornehmen und Ihnen einen Kostenvoranschlag zukommen lassen. Sie können dann frei entscheiden, ob Sie uns beauftragen möchten.

Standorte & Bürozeiten

Mo. – Fr: 09:00 – 19:00
24h Kontakt: 0221 93295960
E-Mail: info@se-legal.de
Termine nur nach telefonischer Vereinbarung.