Internationale Investoren sind es gewohnt, Gespräche mit dem Leitungsorgan der Zielgesellschaft zu führen. Im Ausland gibt es oftmals nur ein board, das die Geschäftsführung, Leitung und Überwachung der Gesellschaft auf sich vereint. Ausländischen Investoren ist überhaupt nicht bewusst, dass sie in Deutschland nicht per se mit dem Aufsichtsrat reden dürfen.

Diese gewohnte Art der Kommunikation mit dem Aufsichtsrat erwarten Investoren aber nun einmal auch in Deutschland. Sie möchten nicht nur mit dem Vorstand reden, sondern auch mit dem Aufsichtsrat. In börsennotierten Gesellschaften sind Investorendialoge mit dem Aufsichtsrat zwar de facto gelebte Praxis – ob sie rechtlich zulässig sind, ist aber weiterhin umstritten.

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Dialoge mit dem Aufsichtsrat: Ein gefährliches Terrain

Der Aufsichtsrat muss Dialoge mit Investoren gut vorbereiten und korrekt durchführen. Der Aufsichtsrat sollte rechtssichere Standards setzen, um sich einer Haftung zu entziehen. Eine Kommunikationsordnung und ein Leitfaden für Investoren können helfen. Es gibt zahllose Rechtsfragen, die zu behandeln sind. Investoren, denen ein Gesprächsgesuch verweigert worden ist, muss unter Berücksichtigung des Gleichbehandlungsgrundsatzes eine Begründung für die Ablehnung übersandt werden.

Der Fluss von Insiderinformationen ist gleichfalls zu unterbinden. Zugleich ist trotz der Gesprächsführung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden und durch einzelne Ausschussvorsitzende auf eine einheitliche Kapitalmarktkommunikation zu achten. Vorstand und Aufsichtsrat müssen die im Dialog gewonnenen Informationen zudem in einem stetigen Fluss austauschen. Insgesamt gibt es derart viele rechtliche Probleme und Abwägungsfragen, dass die Einschaltung spezialisierter Rechtsanwälte dringend zu empfehlen ist.


Investorendialoge bringen einen realen Nutzen

Der Blick nach Großbritannien offenbart, dass Investorendialoge durchaus zu einer besseren Corporate Governance führen können. Studien offenbaren, dass Unternehmen, die Investorendialoge eingeführt haben, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 7,1 Prozent aufweisen.

Investorendialoge sind auf wenige Gesprächsthemen beschränkt und eignen sich dazu, Richtlinien für Auswahl- und Vergütungsprozesse festzusetzen. Sie behandeln die Zusammensetzung und Vergütung der Mitglieder des Leitungsorgans, die Vorstandsbestellung, -abberufung und -vergütung sowie die Binnenorganisation des Leitungsorgans. Investoren möchten ebenfalls die Strategieentwicklung und -umsetzung sowie die Anforderungskriterien für die Wahl von Abschlussprüfern beeinflussen.


Börsennotierte Gesellschaften: Wer redet mit den Investoren?

Deutschen börsennotierten Gesellschaften muss bewusst sein, dass Dialoge des Aufsichtsrats mit Investoren nur schwer mit dem deutschen Recht vereinbar sind. Eine damit verbundene Regelung ist sinnbildlich ein Fremdkörper im deutschen Aktienrecht.

Unser Gesellschaftsrechtler Dr. Matthias Wurm hat untersucht, inwieweit die Regelungen im angelsächsischen UKCGC als Vorbild für deutsche börsennotierte Gesellschaften und den Deutschen Corporate Governance Kodex dienen können. Seine Erkenntnisse geben Gesellschaften einen Leitfaden an die Hand und zeigen auf, wie Investorendialoge in der Praxis rechtssicher umgesetzt werden können. Um Problemen vorzubeugen, muss auch die Arbeitnehmerseite mit einbezogen werden.

Ausländischen Investoren ist zumeist gar nicht bewusst, dass die Arbeitnehmermitbestimmung in Deutschland eine derart große Rolle spielt. Gesellschaften sollten die Arbeitnehmerseite von Anfang an einbeziehen. So können aggressive Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften bereits im Vorhinein unterbunden werden.


Investorendialoge: Wirtschaftliches Wachstum für börsennotierte Gesellschaften

Der Deutsche Corporate Governance Kodex entstand im Rahmen von Finanzkrisen und ist die Antwort auf eine schlechte Corporate Governance, die Unternehmen und deren Aktionären zum Nachteil gereichte. Familienunternehmen schneiden beim Wachstum weltweit deutlich besser ab als Gesellschaften bei denen Eigentümerschaft und Management institutionell getrennt sind. Der Grund hierfür liegt darin, dass Familienunternehmen deutlich mehr Wert auf Kapitalerhalt und Innovationen legen. Bei Gesellschaften, in denen Eigentümerschaft und Management getrennt sind, ist unbedingt zu vermeiden, dass das Management seinen Wissensvorsprung ausbeutet (moral hazard).


Wie hilft Schlun & Elseven?

Bei Schlun & Elseven profitieren Sie von erfahrenen Rechtsanwälten, die in vielseitiger Hinsicht helfen können:

  • Rechtsgutachten zur Minimierung von Haftungsrisiken
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  • Beratung des Aufsichtsrats
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